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Schutzorgane – LS, RCD, SLS und Überspannungsschutz

Schutzorgane schützen entweder die Anlage (Leitung, Geräte) oder den Menschen – manche beides.

Gefahr Schutz durch Bauteil
Überlast – zu viele Verbraucher, Leitung wird warm Abschalten bei zu hohem Strom über längere Zeit LS-Schalter, Schmelzsicherung
Kurzschluss – L berührt N oder PE, riesiger Strom Abschalten in Millisekunden LS-Schalter, Schmelzsicherung, SLS
Fehlerstrom / elektrischer Schlag – Strom fließt über Gehäuse oder Mensch zur Erde Abschalten bei kleiner Differenz zwischen hin- und rückfließendem Strom RCD (FI-Schutzschalter)
Überspannung – Blitz, Schaltvorgänge im Netz Ableiten der Spannungsspitze zur Erde SPD (Überspannungsschutzgerät)
Reihe von Leitungsschutzschaltern B16 auf einer Hutschiene in einem Sicherungskasten, verbunden mit einer Phasenschiene

Leitungsschutzschalter (LS) auf der Hutschiene eines Verteilers, oben mit Phasenschiene verbunden.

Bild: Pittigrilli ·Lizenz: CC0

Der LS-Schalter (umgangssprachlich „Sicherungsautomat”) schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Er hat zwei Auslöser:

  • Thermischer Auslöser (Bimetall): reagiert auf Überlast – langsam, abhängig davon, wie stark der Strom über dem Nennwert liegt. 1,45-facher Nennstrom muss innerhalb einer Stunde auslösen.
  • Magnetischer Auslöser: reagiert auf Kurzschluss – sofort, wenn der Strom ein Vielfaches des Nennstroms erreicht.

Die Beschriftung, zum Beispiel B16, bedeutet:

Teil Bedeutung
B Auslösecharakteristik: magnetische Auslösung bei 3- bis 5-fachem Nennstrom. Standard für Wohnungen.
C Auslösung bei 5- bis 10-fachem Nennstrom – für Motoren, Geräte mit hohem Einschaltstrom.
D 10- bis 20-fach – Transformatoren, Schweißgeräte.
16 Nennstrom 16 A

Zuordnung in der Wohnung: B10 für Licht (1,5 mm²), B16 für Steckdosen (2,5 mm² oder 1,5 mm² bei kurzer Leitung), B16 3-polig für den Herd (400 V, 5×2,5 mm²), B16 oder B20 für Durchlauferhitzer je nach Leistung und Querschnitt.

Der Nennstrom muss zum Leitungsquerschnitt und zur Verlegeart passen – die Leitung muss den Strom dauerhaft tragen, den der LS durchlässt. Das ist eine Rechnung, keine Faustregel.

Die Schmelzsicherung (Neozed D01/D02 im Verteiler, NH-Sicherung im Hausanschlusskasten) ist der ältere Bruder des LS-Schalters: Ein Draht schmilzt bei Überstrom. Sie ist billig, robust und kann große Kurzschlussströme abschalten, muss aber ersetzt werden. Im Hausanschlusskasten und als Vorsicherung ist sie nach wie vor Standard; in Wohnungsverteilern hat der LS sie verdrängt.

Der RCD (Residual Current Device, deutsch FI-Schutzschalter) schützt den Menschen. Er vergleicht den Strom, der über die Außenleiter hinfließt, mit dem, der über den N zurückkommt. Normalerweise ist die Summe null. Fließt Strom über einen anderen Weg zurück – über den PE, über ein defektes Gerät, über einen Menschen – entsteht eine Differenz. Ab dem Bemessungsdifferenzstrom IΔn schaltet der RCD ab.

Angabe Bedeutung
IΔn = 30 mA Personenschutz. Pflicht für Steckdosen bis 32 A und Beleuchtung in Wohnungen (DIN VDE 0100-410). Auslösung spätestens nach 300 ms, in der Praxis 20–40 ms.
IΔn = 300 mA Brandschutz, kein Personenschutz. In Landwirtschaft, für ganze Anlagen.
Typ AC erkennt nur sinusförmige Wechselfehlerströme – in Deutschland nicht zulässig
Typ A zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme – Standard für Wohnungen
Typ F zusätzlich Mischfrequenzen – Waschmaschinen, Wärmepumpen mit Frequenzumrichter
Typ B zusätzlich glatte Gleichfehlerströme – Wallbox (wenn kein DC-Schutz in der Wallbox), PV-Wechselrichter ohne Trafo
4-polig 40 A schaltet L1, L2, L3, N; der Nennstrom (40 A) ist die Belastbarkeit – der RCD schützt nicht vor Überlast, er braucht eine Vorsicherung

Die Prüftaste T erzeugt einen künstlichen Fehlerstrom. Sie ist monatlich zu drücken (steht auf jedem Gerät) – der einzige Test, den der Kunde selbst machen darf.

RCBO (FI/LS-Kombination) ist RCD und LS in einem Gerät für einen einzelnen Stromkreis. Teurer, aber bei einem Fehler fällt nur ein Stromkreis aus.

Der SLS-Schalter sitzt vor dem Zähler im Zählerschrank (VDE-AR-N 4100). Er ist die Vorsicherung der ganzen Kundenanlage und hat die E-Charakteristik: Er ist selektiv zu den LS-Schaltern dahinter. Bei einem Kurzschluss in der Wohnung löst der B16 aus, nicht der SLS – sonst wäre das ganze Haus dunkel. Typisch 3×35 A oder 3×50 A für ein Einfamilienhaus, 3×63 A mit Wärmepumpe und Wallbox.

Der SLS gehört zur Zählerschrank-Ausrüstung und darf, obwohl er vor dem Zähler sitzt, vom Elektrobetrieb betätigt werden – er ist der Freischaltpunkt für Arbeiten an der Unterverteilung.

Überspannungsschutzgeräte (SPD, Surge Protective Device) leiten Spannungsspitzen ab, bevor sie Geräte zerstören. Drei Typen, drei Orte:

Typ Ort Gegen
Typ 1 (Blitzstromableiter) Hausanschluss / Zählerschrank direkten Blitzeinschlag (nur mit Blitzschutzanlage)
Typ 2 (Überspannungsableiter) Zählerschrank oder Unterverteilung Überspannungen aus dem Netz, Fernwirkungen
Typ 3 (Geräteschutz) Steckdose, Gerät Restspannung für empfindliche Elektronik

Seit der DIN VDE 0100-443 und -534 (2016) ist Überspannungsschutz in neuen Wohngebäuden Pflicht. Der Typ-2-Ableiter sitzt in der Unterverteilung direkt hinter dem Hauptschalter mit möglichst kurzen Leitungen (unter 0,5 m gesamt) zu L, N und PE.

Die Reihenfolge von der Einspeisung aus: SLS (vor dem Zähler) → Hauptschalter → SPD → RCD → LS → Stromkreis. Jedes Bauteil hat seine Aufgabe; keines ersetzt ein anderes. Ein RCD ohne LS lässt die Leitung verglühen, ein LS ohne RCD lässt 20 mA ungestört durch einen Menschen fließen. Wie das konkret verdrahtet wird, zeigt die Anleitung Unterverteilung aufbauen.

🧠 Teste dich

1. Was schützt ein LS-Schalter in erster Linie?
2. Was bedeutet das „B" in B16?
3. Welcher RCD-Typ ist für Wohnungen mindestens vorgeschrieben?
4. Wo sitzt der SLS-Schalter?
5. Schützt ein RCD vor Überlast?

Quellen