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Ausschaltung, Wechselschaltung und Steckdose

Fast jede Wohnungsinstallation besteht aus drei Bausteinen, die du im ersten Lehrjahr verdrahtest, bis du sie im Schlaf kannst:

Schaltung Aufgabe Schalter Adern zur Leuchte
Ausschaltung eine Leuchte von einer Stelle schalten 1 Ausschalter (2 Klemmen: L, geschalteter Leiter) L (geschaltet), N, PE
Wechselschaltung eine Leuchte von zwei Stellen schalten (Flur, Schlafzimmer) 2 Wechselschalter (je 3 Klemmen: L, zwei korrespondierende) wie oben; zwischen den Schaltern 2 korrespondierende Leiter
Steckdose Anschluss beweglicher Geräte keiner L, N, PE

Für drei oder mehr Schaltstellen kommt die Kreuzschaltung dazu (ein Kreuzschalter zwischen zwei Wechselschaltern) – eigene Anleitung folgt.

Die einfachste Schaltung. Der Außenleiter L (braun) geht zum Schalter, vom Schalter geht der geschaltete Leiter (schwarz) zur Leuchte, von der Leuchte der N (blau) direkt zurück. PE (grün-gelb) geht zur Leuchte, wenn diese einen Schutzleiteranschluss hat – und immer zur Dose.

Regel Nummer eins der Installation: Geschaltet wird immer der Außenleiter, nie der N. Wird der N geschaltet, leuchtet die Lampe zwar auch, aber sie steht bei „aus” unter Spannung – lebensgefährlich beim Lampenwechsel.

Leitungen: NYM-J 3×1,5 mm² von der Verteilerdose zum Schalter (braun = L hin, schwarz = geschaltet zurück, PE mitführen, blau bleibt unbenutzt und isoliert oder wird als N für eine Steckdose neben dem Schalter genutzt) und 3×1,5 mm² zur Leuchte.

Wechselschaltung: L über Wechselschalter 1, zwei korrespondierende Leiter, Wechselschalter 2 zur Leuchte, N zurück; daneben Steckdose mit L, N und PELNPEL (braun)N (blau)PE (grün-gelb)Wechselschalter 1Klemme L: AußenleiterKlemmen ↑↓: korrespondierendeWechselschalter 2Klemme L: zur Leuchte (schwarz)korrespondierende Leiter (schwarz, grau)LeuchteN-Leiter direkt zur Leuchte – nie über den SchalterSteckdose (Schuko)L · N · PE – PE auf den Schutzkontakt
Vereinfachter Stromlaufplan. Beide Stromkreise hängen hinter LS-Schalter und RCD (30 mA), hier nicht gezeichnet.

Zwei Wechselschalter haben je drei Klemmen: L (gemeinsamer Kontakt, oft mit Pfeil markiert) und zwei Ausgänge. Der Schalter verbindet L wahlweise mit dem einen oder anderen Ausgang.

  • Schalter 1: L (braun) auf die Klemme L. Die beiden Ausgänge gehen als korrespondierende Leiter (schwarz und grau) zu Schalter 2.
  • Schalter 2: korrespondierende Leiter auf die beiden Ausgänge. Von der Klemme L geht der geschaltete Leiter (schwarz) zur Leuchte.
  • Leuchte: geschalteter Leiter, N, PE.

Egal in welcher Stellung: Ein Schalter ändert immer den Zustand. Sind beide Schalter auf demselben korrespondierenden Leiter, ist der Kreis geschlossen – Licht an.

Leitungen: NYM-J 5×1,5 mm² zwischen den Schaltern (braun L, schwarz und grau korrespondierend, blau N für eine Steckdose, PE) oder 3×1,5 mm² wenn keine Steckdose am Schalter sitzt.

Prüfe die Klemme L am Schalter mit dem Durchgangsprüfer, bevor du klemmst – die Hersteller markieren sie unterschiedlich. Vertauschst du L und einen korrespondierenden Anschluss, funktioniert die Schaltung nur in einer Stellung.

Die Schuko-Steckdose hat drei Klemmen: L, N und PE (Schutzkontakt, die beiden Bügel). In Deutschland ist die Steckdose nicht verpolungssicher – L kann links oder rechts liegen. Üblich (nicht Norm) ist N links, L rechts bei Blick auf die Dose.

Regeln:

  • PE immer anschließen – auch wenn das Gerät nur zwei Pole hat. Eine Steckdose ohne PE ist ein Mangel.
  • Jede Steckdose in der Wohnung hinter einem RCD 30 mA (DIN VDE 0100-410).
  • B16 mit 2,5 mm². 1,5 mm² mit B16 nur bei kurzer Leitung (bis etwa 15 m bei Verlegung unter Putz) – Berufsschule rechnet nach.
  • Steckklemmen bei modernen Steckdosen: Ader 10–12 mm abisolieren, gerade einstecken, Zugprobe. Bei Schraubklemmen: Drehmoment nach Herstellerangabe.
  • Steckdosen im Bad: Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701 beachten – Abstand 60 cm zur Badewanne / Dusche.
  • Mindestausstattung nach DIN 18015-2: zum Beispiel Wohnzimmer bis 20 m² mindestens 5 Steckdosen, Küche mindestens 7 (davon 3 über der Arbeitsplatte). Planst du zu wenig, hängt später alles an Mehrfachsteckdosen.

Verdrahtung Schritt für Schritt (Übungswand oder Wohnung)

Abschnitt betitelt „Verdrahtung Schritt für Schritt (Übungswand oder Wohnung)“
  1. Fünf Sicherheitsregeln. LS aus, Sperrelement, Spannungsfreiheit an Verteilerdose und allen Dosen zweipolig prüfen.

  2. Plan lesen. Stromlaufplan in aufgelöster Darstellung (Wirkungszusammenhang) und Installationsplan (wo sitzt was). Adern und Klemmen am Plan abhaken, bevor du klemmst.

  3. Leitungen einziehen. Von der Verteilerdose sternförmig: zu Schalter 1, Schalter 2, Leuchte, Steckdose. Leitung mit 15–20 cm Reserve in jeder Dose abschneiden. Leitungsführung in Installationszonen (waagerecht 30 cm unter der Decke oder über dem Boden, senkrecht 15 cm neben Türen und Ecken).

  4. Abmanteln und abisolieren. Mantel ohne Kerben in den Adern, Adern 10–12 mm abisolieren (Klemmenangabe beachten). Keine Kupferlitze beschädigen.

  5. Verteilerdose klemmen. Mit Verbindungsklemmen (Wago 221 oder Steckklemmen): alle N zusammen, alle PE zusammen, L auf den abgehenden L-Leiter zu Schalter 1, korrespondierende durchverbinden, geschalteter Leiter zur Leuchte. Kein Leiter darf lose in der Dose liegen.

  6. Schalter und Steckdose anschließen. Klemmen nach Aufdruck. L am Wechselschalter mit Durchgangsprüfer bestätigen. PE an Steckdose zuerst.

  7. Leuchte anschließen. Geschalteter Leiter auf L der Leuchte, N auf N, PE auf PE. Auch bei Schutzklasse-II-Leuchten PE in der Dose bereithalten (isolieren).

  8. Prüfen vor dem Einschalten. Siehe nächster Abschnitt.

  9. Einschalten und Funktion prüfen. Wechselschaltung aus allen vier Kombinationen testen. Steckdose mit Steckdosentester prüfen.

  10. Beschriften. Stromkreis im Verteiler eintragen.

Auch die kleinste Schaltung wird geprüft und protokolliert:

  • Besichtigen: Farben richtig, PE überall, keine beschädigten Adern, Dosen geschlossen, Abdeckungen.
  • Durchgängigkeit des Schutzleiters: von der PE-Klemme im Verteiler bis zum Schutzkontakt der Steckdose und zum PE der Leuchte, niederohmig (typisch unter 1 Ω).
  • Isolationswiderstand: alle Leiter gegen PE, 500 V DC, mindestens 1 MΩ. Lampen und Geräte vorher abklemmen oder rausdrehen.
  • Schleifenimpedanz an der Steckdose: der LS muss im Kurzschlussfall abschalten (B16: Kurzschlussstrom mindestens 80 A).
  • RCD-Prüfung: Auslösezeit und Auslösestrom an der Steckdose.
  • Drehfeld entfällt bei 230 V.
  • N geschaltet statt L. Funktioniert, ist aber lebensgefährlich.
  • L und korrespondierender Anschluss am Wechselschalter vertauscht. Schaltung funktioniert nur „manchmal”.
  • PE nicht angeschlossen oder in der Dose als L verwendet.
  • Blaue Ader als geschalteter Leiter ohne Kennzeichnung.
  • Ader zu kurz abisoliert – Klemme greift die Isolierung: Wackelkontakt, Hitze.
  • Ader zu lang abisoliert – blankes Kupfer außerhalb der Klemme: Berührungsgefahr, Kurzschluss.

🧠 Teste dich

1. Welcher Leiter wird bei einer Ausschaltung geschaltet?
2. Wie viele Klemmen hat ein Wechselschalter?
3. Wie heißen die beiden Leiter zwischen zwei Wechselschaltern?
4. Welche Leitung wird für eine Wechselschaltung mit Steckdose am Schalter verlegt?
5. Welcher Isolationswiderstand ist mindestens gefordert?

Quellen