Zählerplatz verstehen und aufbauen
Was ist der Zählerplatz?
Abschnitt betitelt „Was ist der Zählerplatz?“Der Zählerplatz ist der Ort, an dem die Energie vom Netz in die Kundenanlage übergeht und gemessen wird. Er sitzt im Zählerschrank (Hausanschlussraum, Keller, Flur) und besteht aus mehreren Feldern und Räumen, die die VDE-AR-N 4100 (Technische Anschlussregel Niederspannung, kurz TAR) genau festlegt. Die Netzbetreiber ergänzen sie durch ihre Technischen Anschlussbedingungen (TAB), auf die § 14 NAV verweist.
Alles, was hier steht, gilt für neue Zählerplätze. Bestandsanlagen dürfen bleiben, bis sie wesentlich geändert werden.
Der Weg des Stroms
Abschnitt betitelt „Der Weg des Stroms“-
Hausanschlusskasten (HAK). Hier endet das Netzkabel des Netzbetreibers. Im HAK sitzen die NH-Sicherungen (Hausanschlusssicherungen, zum Beispiel 3×63 A). Der HAK ist verplombt; das Ziehen der NH-Sicherungen ist Sache des Netzbetreibers oder nur nach Absprache.
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Hauptleitung. Vom HAK zum Zählerschrank, ungezählt. Querschnitt nach Leistung, meist NYY-J oder NYM-J 5×16 mm² oder mehr. Sie muss kurzschlussfest und ohne Abzweig verlegt sein; die Hauptleitung darf nicht durch fremde Wohnungen führen.
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Unterer Anschlussraum. Im Zählerschrank kommt die Hauptleitung auf die Hauptleitungsabzweigklemme oder eine Sammelschiene. Von dort wird jedes Zählerfeld versorgt. Hier ist auch die Anbindung an die Haupterdungsschiene (HES) und die Aufteilung des PEN in PE und N (TN-C-S).
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SLS-Schalter. Vor jedem Zähler sitzt ein selektiver Hauptleitungsschutzschalter (zum Beispiel 3×35 A, E-Charakteristik). Er ist die Vorsicherung der Wohnung und der Freischaltpunkt für den Elektrobetrieb. Er darf – anders als der HAK – ohne Netzbetreiber betätigt werden.
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Zählerfeld. Der Zähler wird auf dem Zählerplatz befestigt: heute meist als eHZ (elektronischer Haushaltszähler, Stecktechnik) oder auf einer Drei-Punkt-Befestigung (BKE-I-Adapter). Der Zähler gehört dem Messstellenbetreiber, wird von ihm gesetzt und verplombt. Der Elektrobetrieb liefert die fertige, geprüfte Verdrahtung bis zu den Zählerklemmen.
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Oberer Anschlussraum / Verteilerfeld. Hinter dem Zähler beginnt die Kundenanlage: Hauptschalter, gegebenenfalls SPD Typ 1/2, RCDs und LS-Schalter – oder nur der Abgang zur Unterverteilung der Wohnung (siehe Unterverteilung aufbauen).
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Raum für Zusatzanwendungen (RfZ) und APZ. Die VDE-AR-N 4100 verlangt Platz für Smart-Meter-Gateway, Steuerbox und Kommunikationstechnik (APZ – abschließbarer Platz für Zusatzanwendungen, mindestens 300 mm hoch, mit eigenem 230-V-Stromkreis). Ohne diese Räume nimmt der Netzbetreiber den Zählerplatz nicht ab.
Anforderungen an den Zählerschrank
Abschnitt betitelt „Anforderungen an den Zählerschrank“| Punkt | Anforderung (VDE-AR-N 4100, TAB) |
|---|---|
| Schrank | geprüfter Zählerschrank nach DIN VDE 0603 / DIN 43870, Schutzart mindestens IP31 (Keller oft IP44), Schutzklasse II |
| Höhe | Zählermitte zwischen 0,8 m und 1,8 m über Fußboden |
| Zugang | frei zugänglich, 1,2 m Freiraum vor dem Schrank, nicht in Bad, Toilette oder feuchten Räumen |
| Beleuchtung | Zählerplatz muss ablesbar sein – Steckdose und Beleuchtung im Hausanschlussraum |
| Kennzeichnung | jedes Zählerfeld mit der Wohnung / dem Anschlussnutzer beschriftet, dauerhaft |
| Freischaltung | SLS vor jedem Zähler, allpolig trennbar |
| Überspannungsschutz | SPD Typ 1 oder Typ 1/2 im Zählerschrank bei Neubauten (DIN VDE 0100-443/-534), Platz ist vorzusehen |
| Ersatzstrom / PV | Zusätzliche Felder für Erzeugungsanlagen und Speicher mit eigener Messung nach VDE-AR-N 4105 |
Ablauf im Betrieb
Abschnitt betitelt „Ablauf im Betrieb“-
Anmeldung beim Netzbetreiber. Vor Beginn meldet der Betrieb den Anschluss oder die Änderung an (Netzanschlussportal). Der Netzbetreiber gibt Anschlussleistung, Zählertyp und Termin frei.
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Planung. Anzahl Zählerfelder (je Wohnung einer, dazu Allgemeinstrom, Wärmepumpe, Wallbox), Querschnitt der Hauptleitung, Position des Schranks, APZ und RfZ.
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Fünf Sicherheitsregeln. Bei Umbau: Freischalten am HAK nur mit dem Netzbetreiber. Bei Neubau: Hauptleitung ist noch nicht angeschlossen.
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Schrank montieren und Hauptleitung anschließen. Adern mit Aderendhülsen oder nach Herstellervorgabe, Drehmoment beachten, PEN auf die PEN-Schiene, Aufteilung in PE und N.
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Felder bestücken. SLS, Zählerplatz mit Klemmen, Abgang zur Unterverteilung, APZ-Stromkreis, Beschriftung.
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Prüfen. Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600: Durchgängigkeit PE, Isolationswiderstand, Drehfeld (Rechtsdrehfeld am Zähler!), Protokoll.
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Fertigmeldung. Der Betrieb meldet die Anlage mit dem Inbetriebsetzungsprotokoll und der Unterschrift der verantwortlichen Elektrofachkraft. Der Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber setzt den Zähler, plombiert und schaltet zu.
Häufige Fehler
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler“- Drehfeld falsch. Am Zähler muss ein Rechtsdrehfeld anliegen (L1–L2–L3). Der Netzbetreiber prüft das bei der Inbetriebsetzung; falsches Drehfeld heißt: keine Zuschaltung.
- Kein APZ / RfZ. Der häufigste Grund für eine abgelehnte Abnahme bei Neubauten.
- Hauptleitung zu klein oder mit Abzweig. Muss dem Nennstrom der NH-Sicherung standhalten.
- PEN nicht sauber aufgeteilt – PE und N nach der Aufteilung wieder verbunden.
- Zähler nicht ablesbar (zu hoch, verstellt, hinter Türen).
- Plombe gebrochen. Auch „nur kurz” ist Manipulation – wird als Stromdiebstahl verfolgt.
Teste dich
Abschnitt betitelt „Teste dich“🧠 Teste dich
Quellen
- VDE-AR-N 4100:2026-04 – Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz (TAR Niederspannung)
- § 13 NAV – Elektrische Anlage
- § 14 NAV – Technische Anschlussbedingungen
- DIN VDE 0100-410:2018-10 – Schutz gegen elektrischen Schlag
- Elektro+ – Normen, Richtlinien und Vorgaben (DIN 18015, Zählerplatz)
- Die fünf Sicherheitsregeln (BG ETEM, DIN VDE 0105-100)