Netz, Leiter und Leiterfarben
Vom Kraftwerk zur Steckdose
Abschnitt betitelt „Vom Kraftwerk zur Steckdose“Strom wird als Drehstrom erzeugt und verteilt: drei Wechselspannungen, die um 120° gegeneinander verschoben sind. Sie kommen über drei Außenleiter L1, L2, L3 ins Haus, dazu der Neutralleiter N und – für die Sicherheit – der Schutzleiter PE.
Daraus ergeben sich die beiden Spannungen des Hausnetzes:
| Zwischen | Spannung | Name | Typische Verbraucher |
|---|---|---|---|
| L1 und N (oder L2–N, L3–N) | 230 V | Wechselstrom, Strangspannung | Steckdosen, Licht, alle Haushaltsgeräte mit Stecker |
| L1 und L2 (oder L2–L3, L3–L1) | 400 V | Drehstrom, Außenleiterspannung | Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox 11 kW, Wärmepumpe, Motoren |
Die Frequenz ist in ganz Europa 50 Hz: Die Spannung wechselt 50-mal pro Sekunde die Richtung. Die „230 V” sind der Effektivwert; der Scheitelwert liegt bei etwa 325 V.
Die fünf Leiter und ihre Farben
Abschnitt betitelt „Die fünf Leiter und ihre Farben“Seit DIN VDE 0293-308 (2003) sind die Farben in Deutschland einheitlich. Du musst sie im Schlaf können – die Farbe entscheidet, ob eine Anlage sicher ist.
| Leiter | Kurzzeichen | Farbe | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Außenleiter 1 | L1 | braun | führt Spannung („Phase”) |
| Außenleiter 2 | L2 | schwarz | führt Spannung |
| Außenleiter 3 | L3 | grau | führt Spannung |
| Neutralleiter | N | blau | Rückleiter, im Normalbetrieb nahe 0 V gegen Erde |
| Schutzleiter | PE | grün-gelb | führt im Normalbetrieb keinen Strom; leitet Fehlerstrom zur Erde, damit die Schutzeinrichtung abschaltet |
Grün-gelb ist tabu für alles andere. Der Schutzleiter darf niemals als Außen- oder Neutralleiter verwendet werden, und kein anderer Leiter darf grün-gelb sein. Blau ist dem Neutralleiter vorbehalten; nur wenn kein N vorhanden ist (zum Beispiel in einer Schalterleitung), darf blau anders belegt werden – dann muss die Ader an beiden Enden gekennzeichnet werden. Sauberer ist, es gar nicht zu tun.
Schwarz und grau in einer 3-adrigen Leitung: Wenn du im Bad eine Leitung mit braun, schwarz, grau siehst, ist das eine Schalter- oder Wechselschaltungsleitung ohne N – braun ist der ankommende Außenleiter, schwarz und grau sind geschaltet oder korrespondierend.
Aderzahl und Belegung gängiger Leitungen (NYM-J)
Abschnitt betitelt „Aderzahl und Belegung gängiger Leitungen (NYM-J)“| Leitung | Adern | Verwendung |
|---|---|---|
| NYM-J 3×1,5 mm² | braun, blau, grün-gelb | Licht (B10) |
| NYM-J 3×2,5 mm² | braun, blau, grün-gelb | Steckdosen (B16) |
| NYM-J 5×1,5 mm² | braun, schwarz, grau, blau, grün-gelb | Wechselschaltung mit Steckdose, Serienschaltung |
| NYM-J 5×2,5 mm² | braun, schwarz, grau, blau, grün-gelb | Herd (3×B16, 400 V) |
| NYM-J 5×10 mm² / 5×16 mm² | wie oben | Zuleitung Unterverteilung, Hauptleitung |
Das J bedeutet: mit grün-gelbem Schutzleiter. O (NYM-O) hätte keinen – im Wohnungsbau praktisch nicht mehr üblich.
Ältere Anlagen
Abschnitt betitelt „Ältere Anlagen“In Anlagen vor 2003 findest du schwarz, braun, schwarz für die Außenleiter; vor etwa 1965 war der Schutzleiter teils rot und der Neutralleiter grau. In sehr alten Anlagen gibt es die klassische Nullung ohne eigenen PE. Beim Arbeiten in Altanlagen gilt: nie auf die Farbe verlassen, immer messen.
Netzformen: TN, TT, IT
Abschnitt betitelt „Netzformen: TN, TT, IT“Die Netzform beschreibt, wie der Sternpunkt des Transformators und die Gehäuse der Geräte mit der Erde verbunden sind. Die Buchstaben (DIN VDE 0100-100):
- Erster Buchstabe – Sternpunkt des Netzes: T = direkt geerdet (terre), I = isoliert.
- Zweiter Buchstabe – Körper der Geräte: N = mit dem Sternpunkt verbunden (über PE/PEN), T = eigener Erder.
| Netzform | Wie | Wo |
|---|---|---|
| TN-C | PE und N in einem Leiter (PEN) bis zum Verbraucher | alte Anlagen, Hauptleitungen, nicht mehr für neue Endstromkreise |
| TN-S | PE und N getrennt vom Trafo an | Industrie, große Anlagen |
| TN-C-S | PEN bis ins Haus, dort Aufteilung in PE und N | Standard in deutschen Wohngebäuden |
| TT | Haus hat eigenen Erder, keine PE-Verbindung zum Netz | einige ländliche Netze, Süddeutschland, Ausland |
| IT | Netz nicht geerdet, erster Fehler löst nur Meldung aus | OP-Säle, Notstromversorgung |
Im TN-C-S-Netz kommt der PEN-Leiter am Hausanschlusskasten an und wird auf der Haupterdungsschiene in PE und N aufgeteilt. Ab dort dürfen die beiden nie wieder verbunden werden – sonst funktioniert kein RCD, und der Schutzleiter führt Betriebsstrom. Genau deshalb hat jede RCD-Gruppe in der Unterverteilung ihre eigene N-Klemme.
Erdung und Potentialausgleich
Abschnitt betitelt „Erdung und Potentialausgleich“Der PE ist nur so gut wie die Erde, an der er hängt. Dafür sorgen der Fundamenterder (ein Bandstahl im Fundament, seit 2007 Pflicht bei Neubauten), die Haupterdungsschiene (HES) im Hausanschlussraum und der Schutzpotentialausgleich: Wasserrohre, Heizung, Gasleitung, Antennenmast, Stahlkonstruktionen werden mit der HES verbunden, damit im Fehlerfall keine Spannung zwischen zwei berührbaren Metallteilen entsteht.
Im Bad kommt der zusätzliche Schutzpotentialausgleich dazu (DIN VDE 0100-701): Badewanne, Rohre und PE der Stromkreise werden örtlich verbunden.
Teste dich
Abschnitt betitelt „Teste dich“🧠 Teste dich
Quellen
- DIN VDE 0293-308 (VDE 0293-308):2003-01 – Kennzeichnung der Adern von Kabeln und Leitungen durch Farben
- DIN VDE 0100-100:2009-06 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Allgemeine Grundsätze (Netzformen)
- DIN VDE 0100-410:2018-10 – Schutz gegen elektrischen Schlag
- VDE-AR-N 4100:2026-04 – Technische Anschlussregel Niederspannung