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Unterverteilung aufbauen

Die Unterverteilung (auch Stromkreisverteiler) ist der „Sicherungskasten” einer Wohnung oder Etage. Sie bekommt ihre Energie über die Zuleitung aus dem Zählerschrank und teilt sie auf die einzelnen Endstromkreise auf: Steckdosen, Licht, Herd, Waschmaschine.

Im Zählerschrank sitzen der Hausanschluss, der SLS-Schalter (selektiver Hauptleitungsschutzschalter) und der Zähler. Alles dahinter – ab der Zuleitung – ist die Anlage des Kunden. Genau dort arbeitest du als Azubi am häufigsten.

Die Regeln für Wohngebäude stehen in der DIN 18015 (Planung und Mindestausstattung) und in der Normenreihe DIN VDE 0100 (Errichten von Niederspannungsanlagen).

Bauteil Aufgabe Typische Auswahl
Hauptschalter Trennt die ganze Verteilung allpolig 4-polig, 63 A
Überspannungsschutz (SPD) Leitet Überspannungen durch Blitz oder Schaltvorgänge ab Typ 2, direkt hinter dem Hauptschalter
RCD / FI-Schutzschalter Schaltet bei Fehlerstrom ab – Schutz gegen elektrischen Schlag 4-polig, 40 A oder 63 A, IΔn = 30 mA, Typ A
LS-Schalter (Leitungsschutzschalter) Schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss B16 Steckdosen, B10 Licht, B16 3-polig Herd
Kammschiene / Phasenschiene Verbindet die LS-Schalter einer Gruppe mit dem RCD 3-phasig, 10 mm² oder 16 mm²
N- und PE-Klemmen Sammeln die Neutralleiter je RCD-Gruppe und alle Schutzleiter Reihenklemmen, N-Trennklemmen
Hutschiene Trägt alle Reiheneinbaugeräte 35 mm; 1 Teilungseinheit (TE) = 18 mm
Berührungsschutz-Abdeckung Deckt die Klemmen ab, nur die Schalthebel bleiben sichtbar Zum Verteiler passend
Beschriftungsstreifen Stromkreisverzeichnis: welcher Schalter schaltet was Gedruckt, dauerhaft

Bevor du eine Schraube drehst, planst du auf Papier:

  1. Stromkreise zählen. Die DIN 18015-2 legt eine Mindestausstattung fest. Eigene Stromkreise brauchen zum Beispiel Herd, Waschmaschine, Spülmaschine und Wäschetrockner. Steckdosen und Licht werden raumweise aufgeteilt.
  2. Reserve einplanen. Faustregel: 20 bis 30 % der Teilungseinheiten bleiben frei. Ein voller Verteiler ist beim nächsten Umbau ein Problem.
  3. RCD-Pflicht beachten. Die DIN VDE 0100-410 fordert für Steckdosen bis 32 A und für Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen einen RCD mit IΔn ≤ 30 mA. In der Praxis hängt heute fast jeder Endstromkreis hinter einem RCD.
  4. Gruppen bilden. Mehrere LS-Schalter teilen sich einen RCD. Verteile klug: Licht und Steckdosen desselben Raums auf verschiedene RCDs – löst einer aus, bleibt das Licht an. Sechs LS-Schalter pro RCD sind eine bewährte Obergrenze.
  5. Außenleiter verteilen. L1, L2 und L3 möglichst gleichmäßig belasten – die Kammschiene macht das fast von selbst.
  6. Vorsicherung prüfen. Der SLS im Zählerschrank (zum Beispiel 35 A) muss zum RCD (zum Beispiel 40 A) passen, damit der RCD nie überlastet wird.
Übersichtsschema Unterverteilung: Zuleitung, Hauptschalter, SPD, zwei RCD-Gruppen mit je vier LeitungsschutzschalternZuleitung vom Zählerschrank (Vorsicherung SLS 35 A)Hauptschalter 4-polig 63 AÜberspannungsschutz SPD Typ 2RCD 1 (FI) 4-polig40 A / 30 mA · Typ ARCD 2 (FI) 4-polig40 A / 30 mA · Typ ALS B16Steckd. KücheLS B16Steckd. WohnenLS B10Licht Bad/FlurLS B16Waschmasch.LS B16Steckd. SchlafenLS B10Licht WohnenLS B16Spülmasch.LS B163-pol. HerdN-Leiter jeder RCD-Gruppe getrennt führen · PE auf gemeinsame PE-KlemmeSchema stark vereinfacht – Auswahl und Querschnitte immer nach Planung und Norm

Lies das Schema von oben nach unten: Zuleitung → Hauptschalter → SPD → zwei RCD-Gruppen → je vier LS-Schalter. Jede RCD-Gruppe hat ihre eigene N-Klemme. Der Schutzleiter PE geht an eine gemeinsame PE-Klemme. Anzahl, Ausführung und Bemessung richten sich immer nach der konkreten Planung.

  1. Fünf Sicherheitsregeln anwenden. Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken. Immer – auch beim „kurzen” Blick.

  2. Verteiler montieren. In bequemer Bedienhöhe (meist zwischen etwa 1,1 und 1,8 m), frei zugänglich, trocken, nicht hinter Türen oder Möbeln.

  3. Zuleitung einführen. Mantel abnehmen, Adern auf Länge bringen. Feindrähtige Leiter bekommen Aderendhülsen. Der Querschnitt richtet sich nach Strom, Länge und Verlegeart – NYM-J 5×10 mm² ist bei 35 A Vorsicherung üblich, aber du rechnest jedes Mal nach.

  4. Hauptschalter und SPD setzen. Zuleitung auf den Hauptschalter, dahinter der Überspannungsschutz. Seine Anschlussleitungen zu L, N und PE so kurz wie möglich, insgesamt unter 0,5 m.

  5. RCDs setzen und einspeisen. Vom Hauptschalter zu jedem RCD: L1, L2, L3 und N. Der N geht durch den RCD – nur so kann er Fehlerströme erkennen.

  6. LS-Schalter mit Kammschiene verbinden. Je RCD-Gruppe eine Kammschiene vom RCD-Abgang auf die LS-Schalter. Schiene sauber ablängen, keine blanken Enden.

  7. Abgänge klemmen. Außenleiter auf den LS-Abgang. Neutralleiter auf die N-Klemme derselben RCD-Gruppe. Schutzleiter auf die PE-Klemme. Farben: L1 braun, L2 schwarz, L3 grau, N blau, PE grün-gelb.

  8. Anziehen und prüfen. Drehmoment nach Herstellerangabe (bei Reiheneinbaugeräten oft um 2 Nm), dann Zugprobe an jeder Ader.

  9. Beschriften. Jeder Schalter bekommt seinen Stromkreis auf dem Beschriftungsstreifen; das Stromkreisverzeichnis kommt in die Tür des Verteilers.

  10. Erstprüfung durchführen – siehe nächster Abschnitt. Ohne Prüfprotokoll ist die Anlage nicht fertig.

Jede neue oder geänderte Anlage wird vor der Inbetriebnahme geprüft. Die Erstprüfung hat drei Teile:

  • Besichtigen: richtige Bauteile, Farben, Beschriftung, Abdeckungen, Leitungsführung, keine Beschädigungen.
  • Erproben: Funktion der Schutzeinrichtungen, Prüftaste am RCD, Schaltfunktionen.
  • Messen:
    • Durchgängigkeit des Schutzleiters – jeder PE ist niederohmig verbunden.
    • Isolationswiderstand – mit 500 V DC gemessen, mindestens 1 MΩ bei Anlagen bis 500 V.
    • Schleifenimpedanz / Kurzschlussstrom – der LS-Schalter muss im Fehlerfall sicher abschalten.
    • RCD-Auslösung – bei IΔn spätestens nach 300 ms; gute Geräte lösen deutlich schneller aus. Auslösestrom und Auslösezeit kommen ins Protokoll.
    • Drehfeld – rechtsdrehend am Herdanschluss.

Das Ergebnis ist ein Prüfprotokoll mit Messwerten, Datum und Unterschrift. Es gehört zur Übergabe.

  • N-Leiter zweier RCD-Gruppen verbunden. Der RCD sieht einen Differenzstrom und löst bei Last aus. Der häufigste Fehler in der Ausbildung.
  • Schutzleiter vergessen oder lose. Lebensgefahr – und in der Messung sofort sichtbar.
  • Falsche Charakteristik oder Nennstrom. B16 an 1,5 mm² über lange Strecken kann zu viel sein; B10 für Licht ist der Normalfall.
  • Kammschiene falsch abgelängt. Blanke Enden neben dem Nachbargerät sind ein Kurzschluss auf Zeit.
  • Klemmen nicht angezogen. Lose Klemmen werden heiß – Brandgefahr. Zugprobe an jeder Ader.
  • Keine Beschriftung, kein Protokoll. Ohne beides ist die Anlage für den nächsten Elektriker eine Blackbox.

🧠 Teste dich

1. Welcher Fehlerstrom-Schutzschalter ist für Steckdosenstromkreise in Wohnungen vorgeschrieben?
2. Warum dürfen die N-Leiter zweier RCD-Gruppen nicht verbunden werden?
3. Welche Regel ist die erste der fünf Sicherheitsregeln?
4. Welcher Leitungsschutzschalter ist für Steckdosenstromkreise in Wohnungen üblich?
5. Was gehört zur Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600?

Quellen