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Weiterbildung und Karriere nach der Gesellenprüfung

Mit der bestandenen Gesellenprüfung bist du Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik und im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Niveau 4. Von hier führen drei große Wege weiter: Meister, Techniker oder Studium. Alle drei sind ohne Abitur möglich – das ist die Stärke des deutschen Systems.

Weg Abschluss DQR Typische Dauer Was er bringt
Meisterprüfung Elektrotechnikermeister/-in, zusätzlich „Bachelor Professional in Elektrotechnik” 6 1 Jahr Vollzeit oder ca. 2 Jahre berufsbegleitend Betrieb gründen und führen, Azubis ausbilden, Eintrag ins Installateurverzeichnis
Fachschule Staatlich geprüfte/-r Techniker/-in Elektrotechnik 6 2 Jahre Vollzeit oder 4 Jahre Teilzeit Planung, Projektleitung, Bauleitung, Industrie
Studium Bachelor of Engineering (Elektrotechnik, Gebäudetechnik) 6 3–3½ Jahre Entwicklung, Planungsbüro, Ingenieurlaufbahn

Meister, Techniker und Bachelor liegen alle auf DQR-Niveau 6. Das heißt gleichwertig, nicht gleichartig: Der Meister ist der Praktiker und Unternehmer, der Techniker der Planer, der Ingenieur der Entwickler.

Die Meisterprüfung regelt § 45 der Handwerksordnung (HwO). Sie hat vier Teile:

  1. Teil I – Fachpraxis: ein Meisterprüfungsprojekt (zum Beispiel Planung und Ausführung einer kompletten Gebäudeinstallation) mit Fachgespräch und einer Situationsaufgabe.
  2. Teil II – Fachtheorie: Elektrotechnik, Anlagen- und Systemtechnik, Auftragsabwicklung, Betriebsführung.
  3. Teil III – Betriebswirtschaft, Kaufmännisches und Recht.
  4. Teil IV – Berufs- und Arbeitspädagogik (Ausbildereignung, AEVO).

Zugelassen wird, wer die Gesellenprüfung im Elektrotechniker-Handwerk bestanden hat; eine Wartezeit gibt es seit 2004 nicht mehr. Wer die Prüfung besteht, darf sich zusätzlich „Bachelor Professional in Elektrotechnik” nennen (§ 51 Abs. 2 HwO) – kein akademischer Grad, aber die offizielle Einordnung auf Bachelor-Niveau.

Warum der Meister im Elektrohandwerk besonders wichtig ist: Das Elektrotechniker-Handwerk ist zulassungspflichtig (Anlage A HwO). Wer selbstständig einen Elektrobetrieb führen will, braucht den Meister oder eine gleichwertige Qualifikation. Und nur ein eingetragener Betrieb darf am Hausanschluss und am Zähler arbeiten (§ 13 NAV, Installateurverzeichnis des Netzbetreibers).

Die Vorbereitung kostet Geld (Kurse, Prüfungsgebühren, Material). Das Aufstiegs-BAföG (AFBG) fördert Meister- und Technikerkurse mit Zuschuss und Darlehen; nach bestandener Prüfung wird ein Teil des Darlehens erlassen. Informationen gibt die zuständige Stelle deines Bundeslandes.

Die Fachschule für Technik (Fachrichtung Elektrotechnik, oft mit Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik oder Automatisierung) vermittelt in zwei Jahren Vollzeit (oder vier Jahren berufsbegleitend) das, was in der Ausbildung zu kurz kommt: Planung, Berechnung, Projektmanagement, Normen in der Tiefe. Voraussetzung ist der Gesellenbrief plus in der Regel ein Jahr Berufserfahrung.

Mit dem Technikerabschluss erhältst du in den meisten Bundesländern zugleich die Fachhochschulreife. Techniker arbeiten in Planungsbüros, in der Bauleitung, in der Industrie, bei Netzbetreibern – und verdienen meist deutlich mehr als Gesellen.

Seit dem KMK-Beschluss vom 6. März 2009 gilt bundesweit:

  • Meister und Techniker haben die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung – sie dürfen jedes Fach an jeder Hochschule studieren.
  • Gesellen mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung erhalten eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für ein Fach, das zu ihrem Beruf passt (zum Beispiel Elektrotechnik, Gebäudetechnik) – meist nach einem Eignungsgespräch oder einer Prüfung.

Beliebte Studiengänge nach der Ausbildung: Elektrotechnik, Energie- und Gebäudetechnik, Gebäudeautomation, Regenerative Energien. Viele Hochschulen bieten sie berufsbegleitend oder dual an.

Nicht jeder will Meister werden. Im Elektrohandwerk gibt es gefragte Spezialisierungen, die über Herstellerkurse oder Zertifikate laufen:

  • Photovoltaik und Speicher – Planung, Montage, Netzanschluss, Anmeldung beim Netzbetreiber.
  • Ladeinfrastruktur (Wallbox, Ladeparks) – Lastmanagement, Abrechnung, Netzanmeldung.
  • Gebäudeautomation (KNX-Partner, Smart Home) – Zertifizierung durch die KNX Association.
  • Prüfen ortsveränderlicher und ortsfester Anlagen – DGUV Vorschrift 3, DIN VDE 0701/0702, als „verantwortliche Elektrofachkraft”.
  • Wärmepumpe und Sektorkopplung – Zusammenarbeit mit SHK-Betrieben.
  • Brandmelde- und Sicherheitstechnik – Fachkraft nach DIN 14675.

Jede dieser Richtungen ist heute so nachgefragt, dass Betriebe die Schulung meist bezahlen.

  • Du willst eigene Aufträge, eigenen Betrieb, Verantwortung für Menschen? → Meister.
  • Du willst planen und rechnen, weniger Baustelle, mehr Büro? → Techniker.
  • Du willst entwickeln, forschen, in die Industrie oder ins Ingenieurbüro? → Studium.
  • Du willst erst einmal Geld verdienen und gut werden? → zwei bis drei Jahre Geselle, dann eine Spezialisierung. Viele Meister haben genau so angefangen.

Kein Weg ist endgültig. Techniker machen später den Meister, Meister studieren berufsbegleitend. Der Gesellenbrief ist der Schlüssel – der Rest ist Zeit und Wille.

🧠 Teste dich

1. Auf welchem DQR-Niveau liegt die Meisterprüfung im Elektrotechniker-Handwerk?
2. Aus wie vielen Teilen besteht die Meisterprüfung nach § 45 HwO?
3. Welche Bezeichnung darf ein Handwerksmeister zusätzlich führen?
4. Darf ein Geselle ohne Abitur studieren?
5. Warum ist der Meister im Elektrohandwerk für die Selbstständigkeit nötig?

Quellen